Burg Klopp in Bingen

Burg Klopp in Bingen

Die Burg der Mainzer Kirche

Als im Jahr 763 Bingen als castrum bezeichnet wurde, war damit die von römischen Mauerresten umgebene Gemeinde als Ganzes gemeint. Der Mainzer Erzbischof hatte schon 793 Grundbesitz in Bingen, das Gemeinwesen wurde dem Mainzer aber erst von Kaiser Otto II. in der berühmten Schenkung des Jahres 983 überlassen.
Zwischen 1138-1141 ließ Erzbischof Adalbert II. die Mauern und Gräben von Bingen wiederherstellen, neue Türme errichten und setzt einen Vogt zur Verteidigung seiner Rechte und Güter ein. Ob zu dieser Zeit eine Burg errichtet wurde ist unsicher: Bingen wurde als camera specialis und täglicher Wohnort des Ebs genannt. Vielleicht heißt das, dass die Burg in Bingen fertig war.
Als Erzbischof Arnold 1158 die Besitzungen des 1147/1148 gegründeten Klosters Rupertsberg bestätigt, wird auch das Druseburger Tor genannt, welches (nach Weidemann und Como) auf den Namen der Burg „Drususburg“ hinweisen soll.
Als Ende 1164 Erzbischof Konrad abgesetzt wurde, ließ Kaiser. Friedrich I. unter den Mainzer Besitzungen auch das castellum Bingen zerstören. Wenig später wird ein Turm in Bingen genannt. Ob es ein Stadtmauerturm oder ein Wohnturm ist, der während der Regierungszeit Erzbischof Christians von Buch (1165-1183) dem Erzstift an Werner III. von Bolanden verlehnt wurde, ist unsicher. Erzbischof Konrad forderte ihn um 1190 von dem Bolander zurück.
1277 werden erstmals mainzische Burgmannen in Bingen genannt, ausdrücklich genannt wird Burg Klopp aber erst im Jahre 1282.
Im August 1301 kam es während des sog. „Zollkrieges“ zur Belagerung Bingens, die in den Quellen sehr anschaulich beschrieben ist.

Die Belagerung der Stadt Bingen im Jahr 1301

König Albrecht I. (1298-1308) geriet mit dem Mainzer Erzbischof und dem Pfalzgrafen bei Rhein in Streit, als er ihnen im Jahr 1301 verbot, Zölle entlang des Rheines von den Handelsreisenden und Handelsschiffen zu kassieren. Nachdem sich König Albrecht zuerst gegen den Pfalzgrafen gewandt hatte, eroberte er im Juli 1301 das mainzische Bensheim und die mit Mainz verbündete katzenelnbogische Burg Zwingenberg a. d. Bergstraße. Dann überquerte bei Oppenheim den Rhein, nahm im Vorbeimarsch die mainzische Burg Nieder-Olm ein und belagerte schließlich seit dem 13. August die Stadt Bingen.

Über die Belagerung berichten mehrere zeitgenössische Chroniken, u.a. besonders ausführlich ein unbekannter Schreiber aus Colmar. Erzbischof Gerhard II. (1289-1305) soll noch im letzen Moment versucht haben, die Verteidigungskraft der Stadt durch die Verpflichtung von Burgmannen zu stärken. Doch schon rückten die königlichen Truppen heran und begannen, die erzbischöflichen Ländereien im Umfeld der Rheinstadt zu verwüsten. Bingen war in dieser Zeit eine starke befestigte (munita valde) Stadt. Auf zwei Seiten durch den Rhein und die Nahe geschützt, konnte sie dort, so teilt der Colmarer Chronist mit, „nur unter Mühen und Gefahren von Schiffen aus angegriffen werden“. Auf der dritten Seite stand die stark befestigte Steinburg (castrum forte in lapide), die – so hieß es – „nur unter großem Aufwand und hohen Kosten“ unterminiert (subfodi) und erobert (expugnari) werden konnte. Die vierte Seite der Stadt war durch einen tiefen Graben, eine starke und hohe Mauer sowie durch Tore und Türme geschützt. Die Besatzung bestand, so fährt der Chronist fort, aus fünf Grafen mit ihren kampferprobten Gefolgsleuten sowie weiteren 500 Mann.
König Albrecht, dem 2.200 gut gerüstete Reiter und Fußvolk zur Verfügung standen, griff Bingen sowohl von der Wasser- als auch von der
Landseite an. Auf der Rheinseite operierten zahlreiche Schiffe, die zu einer Schiffsbrücke verbunden wurden, und auf diese Weise einen Zugang zur Mauer eröffnen sollten. Die Entscheidung fiel aber auf der Landseite. Es gelang König Albrecht, die Stadt durch zwei Belagerungsmaschinen (vasa concava), die Spezialisten (artifices sapientes) gebaut hatten, zu erobern. Es handelte sich bei den beiden Belagerungsmaschinen um eine Katze (catta) und einen Krebs (cancer).

Die Katze wird als ein langes, viereckiges, niedriges Holzgerüstbeschrieben, das oben durch starke Dachplatten und seitlich durch Eichen- und Eschenhölzer geschützt war, so dass von der Mauer herabgeworfene Steine keinen Schaden anrichten konnten. Die Katze, so berichtet der Chronist, sei leicht gewesen und konnte entsprechend bequem gezogen werden. Die Angreifer bauten eine Rampe über den Stadtgraben und zogen die Katze vor die Mauern. Offensichtlich planten sie, im Schutz der Katze einen Stollen unter die Stadtmauer zu graben. Doch die Binger machten einen Ausfall und schoben die Katze in den Stadtgraben.

Daraufhin, so fährt der Chronist fort, schoben mehr als 100 Belagerer mühsam den schweren Krebs heran. In diesem massiv geschützten Holzhaus war ein schwerer langer Rammbalken mit breiter eisenummantelter Spitze an Seilen aufgehängt. Der Krebs wurde dicht an die Mauer gestellt und der Balken von zahlreichen Männern in Pendelbewegung versetzt. Mit wenigen Stößen wurden bereits die ersten Mauerteile zum Einsturz gebracht. Auf diese Weise gelang es auch, den(Tor-?)Turm so zu erschüttern, dass er einstürzte. Als die (ritterlichen) Verteidiger die Mauern fallen sahen, ließen sie alle Geräte (machinas et instrumenta) stehen und liegen, die sie zur Verteidigung Bingens gebaut hatten, und zogen sich rasch hinter die Mauern der Stadtburg zurück. Die königlichen Truppen strömten in die Stadt und umzingelten Burg Klopp. Sie schoben einen kleinen Krebs an die Burgmauer, um diese zum Einsturz zu bringen. Die Belagerten versuchten während eines Ausfalls die Katze zu zerstören, wurden aber mit „Rauch und Gestank“ zurückgetrieben.

Als die Belagerten die Katze von der Burgmauer aus in Brand schießen wollten, geriet durch ihre Unachtsamkeit das Holzwerk der Burg in Brand und die Verteidiger mußten sich in den noch unversehrten Burgfried zurückziehen. Hier konnte sich die Verzweifelten aber nicht lange halten, da sie weder über Wasser noch Lebensmittel verfügten, und mußte sich nach wenigen Tagen ergeben. Am 25./26. September ergaben sie sich bedingungslos.


Quelle: Chronicon Colmariense, S.268f., Binger Annalen S.135 und Österreichische Reimchronik Vers 77685 bis Vers 77875. Bilder von Horst Goebel Georg Dahlhoff  und Landesamt für Denkmalpflege (Gerd Rupprecht), redakt. Bearb. S.G., AKZ

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