Jacob Hilsdorf und Franz Toth: Fotografie aus Bingen

Jacob Hilsdorf: Adolf von Menzel, 1904

Jacob Hilsdorf: Adolf von Menzel, 1904

Jacob Hilsdorf und Franz Toth: Fotografie aus Bingen

Neue Sonderausstellung im Museum am Strom vom 23. März bis zum 7. Juli 2013

Ganz schon mürrisch schaut er drein, der Herr Künstler, und fixiert seinen Betrachter aus den Augenwinkeln heraus: So monumental und individuell hat der Fotograf Jacob Hilsdorf den berühmten Maler Adolph Menzel im Jahre 1904 ins Bild gesetzt, dass man noch heute seine offenkundig starke Persönlichkeit zu spüren meint. Monumental auch das einhundert Jahre später (2002) entstandene Bild von Franz Toth – hier aber verschwindet der Mensch mit der Kamera am Auge fast vollständig aus dem Blickfeld angesichts der Wucht und Dramatik der Tatio-Geysire in Chile, beschienen von der aufgehenden Sonne im Hochland.

Zwei Fotografen aus Bingen – einer vom Anfang des 20. und einer, der auch im 21. Jahrhundert noch produktiv ist -, zwei Künstler des Lichtbildes in schwarz und weiß, des Subjektiven, auch des Dramatischen und Erhabenen bilden das Thema der neuen Sonderausstellung im Museum am Strom. In 60 ausgewählten Fotografien wird das Werk von Jacob Hilsdorf und Franz Toth dokumentiert und damit gleichzeitig ein Bogen geschlagen über ein Jahrhundert Fotografiegeschichte aus Bingen.

Max Clarenbach, Adolph von Menzel, die Familie Krupp und Graf Zeppelin: Unter Prominenten war zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Atelier von Jacob Hilsdorf (1872-1916) in Bingen eine gefragte Adresse. Denn der Lichtbildner verstand es wie kaum ein zweiter, sensible und originelle Porträts anzufertigen. Seine Werke heben sich deutlich von der bereits in Konventionen erstarrten Atelierphotographie der Zeit ab. Auf großen Ausstellungen der „Kunstphotographie“ wurde Hilsdorf damals an hervorragender Stelle gewürdigt – später jedoch weitgehend vergessen.

Die Wiederentdeckung von Jacob Hilsdorf gelang Franz Toth (geb. 1936) in den 1970er Jahren. Toths eigenes Werk gründet in der „subjektiven fotografie“ der 1950er Jahre. Später wandte Toth sich der Landschaft zu. Seine expressiven „Licht-Bilder in schwarz-weiß“ zeugen von ebenso subjektiven Blicken auf teilweise extreme Naturerscheinungen, in denen der Mensch nur am Rande in Erscheinung tritt. In Ausstellungen, u.a. in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz 2004, und Fotobüchern („Lichtbilder 1960-2004“) ist Toths Werk einem größeren Publikum bekannt geworden.

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